Doch noch Hoffnung für den Saalbau?

Recklinghausen - Oliver Wittke, Minister für Verkehr und Städtebau, gibt der Stadt zumindest ein Fünkchen Hoffnung auf die Rettung des Saalbaus. ”In den kommenden Wochen ist eine Reihe von Gesprächen in Düsseldorf angesetzt”, so der Minister. Bei einem Besuch in der Redaktion der RECKLINGHÄUSER ZEITUNG rief der Minister die Stadt dazu auf, ein plausibles Konzept auf den Tisch zu legen. ”Ich werde mich aber hüten, hier Versprechungen zu machen. Lassen sie uns die Gespräche abwarten”, so Wittke. Bei einem Besuch im vergangenen Jahr hatte der Minister deutlich gemacht, dass durch den Bau eines Zentralmuseums auf jeden Fall die Betriebskosten der bisherigen Standorte unterschritten werden müssten. Berechnungen der Stadt ergeben jedoch, dass die jährlichen Kosten durch einen Neubau sogar um 300 000 Euro wachsen würden. Aus Sicht von Wittke wäre das nicht akzeptabel. ”Wir haben viel zu lange in NRW einfach in Projekte investiert, ohne uns Gedanken über die Folgen zu machen.”

Aus Kreisen der CDU verlautete, dass bis zum Sommer über das Schicksal des Saalbaus entschieden werden soll, der seit Jahren wegen Defiziten bei Brandschutz geschlossen ist und dessen Bausubstanz mächtig gelitten hat. Kommt kein Signal aus Düsseldorf, das realistische Chancen auf eine Unterstützung der Sanierung mit Landesmitteln beinhaltet, bleibt wohl nur der Abriss.

Städtischer Saalbau Recklinghausen Geschichte

Der Saalbau geht auf die Erweiterung im Jahre 1897 der Gastwirtschaft „Kaisergarten“ zurück. Der Saal am Sandweg (heute Dorstener Straße) mit Theaterbühne und Musik-Empore war um 1900 bereits 1000 m² groß. Im ersten Weltkrieg wurde der Saal des Kaisergartens als Lazarett genutzt, während der Ruhrbesetzung von 1923 bis 1925 diente er als Quartier der französischen Truppen.

Nach dem Ende der Besetzung erwarb die Stadt Recklinghausen die Gastwirtschaft mitsamt Saal. Sie richtete im Obergeschoss Konferenzräume ein und erweiterte den Saal. Nach dem Umbau für mehr als 600.000 Mark bot der große Saal Platz für 1.500 Gäste, 300 Sänger und 100 Musiker. Vom 23. bis zum 30. November 1925 wurde der „Städtische Saalbau“ mit einer Musikwoche eröffnet. Im Saalbau fanden neben Konzerten, Tanzveranstaltungen und Karnevalsfeiern auch Versammlungen und Feiern von Parteien, Unternehmen, Gewerkschaften und verschiedenen Vereinen sowie Ratssitzungen statt. 1946 wurde im Saalbau der erste Parteitag des CDU-Verbandes Westfalen/Lippe nach dem zweiten Weltkrieg im Saalbau veranstaltet.

Zum Dank für die illegalen Kohlehilfen der Zeche König Ludwig an die Hamburger Theater im Winter 1946/47 gastierten 150 Schauspieler der drei Hamburger Bühnen unter dem Motto „Kunst gegen Kohle“ im Sommer 1947 im Recklinghäuser Saalbau. Aus der Aktion erwuchsen die Ruhrfestspiele, die fortan jährlich im Saalbau stattfanden. Der Spielort Saalbau wurde jedoch mit wachsender Bedeutung der Ruhrfestspiele zu eng und den technischen Ansprüchen nicht mehr gerecht, so dass bereits seit 1950 der Neubau eines Theaters gefordert wurde. Doch erst 1965 zogen die Ruhrfestspiele ins neu erbaute Ruhrfestspielhaus.

Der Saalbau wurde dann 1966/67 umgestaltet. Wegen der hohen Unterhaltungs- und Renovierungskosten erhielt der Saalbau den geringschätzigen Beinamen „Zahlbau“. Über zehn Jahre lang war der Saalbau Spielstätte der inzwischen eingestellten Kammermusikvereinigung Recklinghausen, die Klassik-Weltstars wie Claudio Arrau, Alfred Brendel, Anne-Sophie Mutter und viele andere für Konzerte verpflichten konnten.

Im April 2000 musste der Saalbau aus Brandschutz-Mängeln geschlossen werden. Seit dem verfällt der leerstehende Saalbau zunehmend zur Ruine und kostet die Stadt jährlich etwa 20.000 € an Unterhaltskosten. Die Stadt Recklinghausen hat für die Sanierung, die bereits 1999 etwa elf Millionen € kosten sollte, kein Geld, ein Abriss des Saalbaus würde die Stadt nur etwa 200.000 € kosten. Um den Abriss zu verhindern bot die Sparkasse Vest Recklinghausen der Stadt zehn Millionen € zum Umbau des Saalbaus zu einem Zentralmuseum an. Die Stadt bemüht sich seither um Fördergelder.

Bildergalerie

Quelle: imRECKLINGHAUSENnet von 01.05.2007

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