DAX ringt um die 6000er-Marke - Nervosität

Frankfurt (dpa) - Der deutsche Aktienmarkt ist am Mittwoch bei nervösem Handel um den Vortagesschluss gependelt. Zunächst hatte die Rettung der American International Group (AIG) wie eine Beruhigungspille gewirkt, wie Kapitalmarktexperte Robert Halver von der Baader Bank sagte.

Die Nervosität um weitere Schieflagen im Finanzsektor bleibt aber. “Der Markt geht durch eine Kneipp-Kur mit Wechselbädern und jetzt landet mit HBOS bereits die nächste Bank auf dem Operationstisch”, so der Experte weiter. Anderen Börsianern zufolge warten Investoren auf die weitere Entwicklung am US-Markt.

Der Leitindex DAX lag am Nachmittag kaum verändert mit minus 0,04 Prozent bei 5.962,55 Zählern. Im Verlauf schwankte der Leitindex aber heftig um die technisch bedeutsame 6.000-Punkte-Marke hin und her. Das bisherige Tagestief lag bei 5.912 und das Hoch bei 6.035 Zählern. Der MDAX verlor 0,06 Prozent auf 7.694,77 Punkte, während der technologielastige TecDAX 0,71 Prozent höher bei 731,31 Punkten stand.

Finanzwerte versammelten sich nach ihrer heftigen Talfahrt der Vortage mit an der DAX-Spitze. Aktien der Commerzbank, die in den vergangenen beiden Handelstagen zeitweise mehr als 22 Prozent verloren hatten, kletterten um 2,00 Prozent auf 14,25 Euro nach oben, Postbank-Papiere verteuerten sich um 0,93 Prozent auf 36,89 Euro und Deutsche Börse stiegen um 1,57 Prozent auf 59,99 Euro. Die Aktien notierten aber deutlich tiefer als noch zu Handelsbeginn.

Bei den Versicherern legten Münchener Rück um 1,10 Prozent auf 96,82 Euro zu, anfänglich ebenfalls klar erholte Allianz-Papiere sanken aber wieder um 0,15 Prozent auf 97,91 Euro. Börsianern zufolge ermöglicht neben guten Ergebnissen bei Morgan Stanley die Rettung des schwer angeschlagenen US-Versicherers AIG die Stabilisierung in dem Sektor.

Die US-Notenbank hat der AIG einen Kredit in Höhe von 85 Milliarden Dollar gewährt und übernimmt im Gegenzug für den Kredit 80 Prozent an dem Versicherer. “Die Anleger atmen nach der Rettung von AIG zunächst einmal kräftig durch”, sagte ein Börsianer. Bei einem Crash des Versicherers hätte abgesehen von individuellen Ausfallrisiken eine massive Verschlimmerung der über alle Anlageklassen hinweg zu beobachtenden Verwerfungen gedroht, sagte ein Analyst. Neue Sorgen vor einem Kollaps von HBOS dämpften die Stimmung jedoch bereits wieder.

Favorit im DAX waren aber Volkswagen (VW), die in der Spitze um fast zehn Prozent zulegten und zuletzt mit 7,55 Prozent im Plus bei 243,61 Euro standen. Marktteilnehmer spekulieren über eine Reihe von möglichen Gründen, die Investoren zu Käufen zwingen. Genannt werden dabei insbesondere Eindeckungen von Leerverkäufen, nachdem die inzwischen insolvente US-Investmentbank Lehman Brothers wohl Vertragspartner von Aktienleihe-Geschäften gewesen sei. Die Kursbewegung ist einem Analysten zufolge jedenfalls “fernab jeglicher fundamentalen Begründung”.

GILDEMEISTER schwankten im MDAX besonders heftig und standen zuletzt mit 3,57 Prozent im Plus bei 13,07 Euro. Equinet hat die Papiere des Werkzeugmaschinenbauers von “Sell” auf “Buy” hochgestuft. Die Auftragslage sei weiter gesund und die Aktie weise einen Abschlag von 20 Prozent zum Wettbewerb auf, hieß es zur Begründung. Börsianer führten darüber hinaus Kaufdruck durch Eindeckungen von Leerverkäufen (Short covering) an.

Im TecDAX standen Aktien der Software AG mit minus 9,20 Prozent auf 45,40 Euro am Indexende. Die WestLB stufte das Papier des Softwareunternehmens von “Add” auf “Hold” ab. Der Optimismus im Sektor basiere eher auf Hoffnungen als auf Beweisen, hieß es. Feste Solarwerte hielten dagegen den TecDAX im Plus. An der Indexspitze gewannen Centrotherm 8,14 Prozent auf 35,75 Euro.

Quelle: dpa

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